Der Flug CA758

"Es gibt nur zwei Gefühle in einem Flugzeug: Langeweile und Schrecken."
― Orson Welles

 

Als morgens um 06:00 Uhr der Wecker ging war ich nicht weniger aufgeregt als in der Nacht zuvor. „Das ist die letzte Nacht in Deutschland, die letzte Nacht in deinem Bett, die letzte bei deinen Freunden, die letzte bei deiner Familie.“, waren die Gedanken die mir wie Gewehrkugeln durch den Kopf schossen. Mich nicht schlafen ließen. Auch während der Fahrt, nachdem ich mich von meiner Familie verabschiedete, plagten mich die Sorgen und der Wehmut nur wurden diese nun mit Abenteuerlust, Aufregung und Freude gemischt. Nun ging es los, nach Monaten Vorbereitung und endlosen Stunden, die ich im Spieleland verbracht hatte um mir diese Reise zu verdienen. Nun ging es los, nach Thailand, den Traum verwirklichen den wir schon seit einem Jahr vor Augen hatten.

 

„Was wenn wir ins falsche Flugzeug steigen?… Nie zurück kommen?… Uns in Peking (Unser Umstiegsflughafen) verlieren?… Was wenn uns ein Mäusebussard ins Triebwerk fliegt?

Fragen die wahrscheinlich jedem der zum erstem Mal in ein Flugzeug steigt in den Sinn kommen. Fragen die verflogen als ich die Person die neben mir in dem kleinen Auto saß, ansah. Meine Freundin Laura gab mir schon öfters in dunkleren Zeiten Kraft, doch nie war ich so froh das ich dieses Abenteuer ausgerechnet mit ihr erleben durfte.

 

Angekommen in München, von wo aus wir starteten sollten machten wir uns auf zu unserem Check-In Schalter. Alle 10 Seiten Buchungsbestätigung und sonstigen Kram waren überflüssig, der Reisepass war des einzige was die Dame von Air China benötigte um uns in ihr System aufzunehmen. Nun kam der letzte und schwerste Abschied, nämlich der von Lauras Mum meinem Cousin und meiner letzten Flasche Volvic. Alle hatten uns bis ganz zum Schluss begleitet und mit unvergleichlichem Geschmack erfreut. Nach mehreren Sicherheitskontrollen ob unter der Fassade von zwei ahnungslosen Backpackern nicht doch ISIS Terroristen mit langem Bart und Hotzenplotzvisage schlummerten, ging für uns nun in das Flugzeug nach Peking. Es war ein geräumiger Airbus mit viel Fußraum. An jedem Sitz war ein Entertainment System eingelassen, das jedoch die Rechenleistung eines Aldi Backautomaten hatte und nur einen einzigen deutschen Film mit sich brachte. Nicht weiter schlimm dachte ich mir, Netflix offline Modus regelt^^. Der Start war für mich zwar spektakulär aber auch unkompliziert, wir waren nun in der Luft… Auf dem Weg nach China… unglaublich.

 

Doch dann die Bombe (es kam zumindest einer gleich)… „Please switch off your mobile phone“, sagte eine unglaublich freche Stewardess zu mir...“Mobile Phone?“… “Off?… „für 11 Stunden?“ stammelte ich. Trauernd sah ich 2 Staffeln „Stranger Things“, meinen lieblings Playlisten auf Spotify und dem Harry Potter Hörbuch in audible nach und eine Zukunft mir mir und dem „Entertainment System“ von Air China entgegen. (Komischerweise waren Laptops und Lauras Kindle wohl kein so ein hohes Sicherheitsrisiko, daher wird beim Rückflug der Hase wohl ganz anders hoppeln meine Freunde…)

Nach einer gewissen Zeit freundete ich mich mit dem Pentium -2 Gerät in dem Kopfteil vor mir an und schaute mir widerwillig den einzigen fast deutschen Film, in einem tief Bayrischen an. Die Zeit verging eigentlich relativ schnell und angenehm, da ich auch ein bisschen schlafen konnte. Die Landung war dagegen nicht besonders entzückend, da meine Ohren zu bersten schienen. Dies lag hauptsächlich daran, das ich ziemlich verschnupft war und kaum Atmen konnte ohne einen Huster entfleuchen zu lassen. Doch die Sicht auf das nächtliche Peking machte alles wieder wett… diese Stadt ist einfach nur riesig. Kleine Straßenadern zogen sich durch das teils dunkle aber dicht bevölkerte Land. Dieses Anblick lies alle Schmerzen vergessen…

 

Angekommen in China schwallte uns erst einmal die frühmorgendliche Kälte entgegen, die Kälte die wir eigentlich zurück lassen wollten. Der Pekinger Flughafen war wie zu erwarten nicht nur groß, sonder wenn es möglich wäre die 4. Steigerungsform davon. Hunderte Flugzeuge standen dort wie Autos auf einem Ikea Parkplatz an einem Samstag und warteten dort auf Piloten, Passagiere und Gepäck. Ein Shuttlebus brachte uns ins Terminal in dem wir 3 Stunden Zeit hatten um uns durch weitere Sicherheits- und Passkontrollen zu kämpfen. Nach den Leveln „Gate suchen“ „Klo gehen“ und „etwas essen“ bestiegen wir erneut ein Flugzeug. Dieses Mal war es eine etwas kleinere Boeing Maschine, bei der meine Füße nur in einer leicht kauernden Haltung Platz fanden. Dazu noch eine leicht zu hohe Temperatur und kein Entertainment System gemischt, ergab es die bisher schlimmsten 5 Stunden unserer Reise. Das toppte nun sogar meine 18 stündige Busfahrt nach Lloret de Mar und da hatte eine Mitreisender 3 Sitze hinter mir die Idee, filmreif in eine Flasche zu kotzen.

 

Nach besagten 5 Stunden waren wir endlich, ja endlich gelandet. Das war der Moment an dem ich aufatmen konnte, denn all die Strapazen hatten sich gelohnt...

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